SAIGANI

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ZEN BUDDHISMUS

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1. Die Suche nach dem Ochsen

Trostlos in endloser Weite
bahnt er sich auf und ab den Weg
in wucherndem Gras
und sucht seinen Ochsen.
Weites Wasser, ferne Berge,
und der Weg zieht sich endlos dahin.
Völlig erschöpft ist der Körper,
verzweifelt ermattet das Herz;
wo nur soll er suchen?
Im Abendnebel hört er einzig
Zikaden im Ahorn zirpen.

  Der Ochse ist in Wirklichkeit nie verlorengegangen; warum also ihn suchen? Da der Mensch sich aber von seinem wahren Wesen abgewandt hat, ist der Ochse ihm fremd geworden; er hat ihn im Staub aus den Augen verloren. Weit ist der Mensch von seiner Heimat abgeirrt und sieht sich nun einem Wirrsal von Wegen gegenüber. Gier nach Gewinn und Furcht vor Verlust schießen wie sengende Flammen empor; Vorstellungen von Recht und Unrecht stehen gleich Dornen auf.


2. Erblicken der Spuren

Im Wald und am Gestade des Wassers
finden sich unzählige Fußspuren;
sieht er wohl das zerteilte Gras?
Selbst die tiefsten Schluchten der höchsten Berge
können des Ochsen Nase nicht verbergen,
reicht sie doch bis in den Himmel.

  Durch Sutras und Lehren findet er die Spur des Ochsen. Er hat genau verstanden, dass verschieden geformte (goldene) Gefäße doch alle vom gleichen Gold sind und dass gleichermaßen alles und jedes eine Offenbarung des Selbst ist. Doch kann er noch nicht Gut und Böse unterscheiden, nicht Wahrheit von Trug. Noch ist er nicht wirklich durch das Tor eingetreten. Deshalb nennt man dieses Stadium "Erblicken der Spuren".


3. Erblicken des Ochsen

Eine Nachtigall schlägt auf einem Zweig,
warm scheint die Sonne, sanft weht der Wind,
die Weiden grünen.
Dort steht der Ochse, wo könnt' er sich verbergen?
Das herrliche Haupt, die stattlichen Hörner,
kein Maler kann solches je malen.

  Wenn er nur gespannt auf die alltäglichen Laute horcht, wird er zur Erkenntnis gelangen und in eben diesem Augenblick den wahren Ursprung erblicken. Die sechs Sinne unterscheiden sich nicht von diesem wahren Ursprung. In jedem Wirken ist der Ursprung unverhüllt gegenwärtig. Er entspricht dem Salz im Wasser, dem Leim in der Farbe des Malers. Wenn der Hirte die Augen weit aufschlägt, wird er inne, dass das Gesehene vom Ursprung nicht verschieden ist.


4. Einfangen des Ochsen

Fest muß der Hirt das Leitseil packen,
darf es nicht loslassen,
denn noch hat der Ochse schlimme Neigungen und wilde Kraft.
Bald rennt er ins Hochland hinauf,
bald läuft er tief in Stätten voller Dunst und Nebel
und verweilt dort.

Heute hat er den Ochsen getroffen, der lange in der Wildnis umhergestreift war. Doch der Ochse schwelgte so lange in dieser Wildnis, dass es nicht leicht ist, ihn von seinen alten Gewohnheiten loszureißen. Er sehnt sich nach dem süß duftendem Gras, noch ist er eigensinnig und wild. Will der Hirte ihn zähmen, so muss er zur Peitsche greifen. 


5. Zähmen des Ochsen

Der Hirte darf Peitsche und Leitseil
keinen Augenblick aus der Hand lassen,
sonst läuft der Ochse davn in den Staub.
Recht gezähmt jedoch, wird er sauber und sanft,
gelöst vom Seil, folgt er willig dem Hirten.

Erhebt sich ein Gedanke, so folgen weitere und weitere. Gedanken werden durch Erleuchtung wirklich; infolge der Verblendung werden sie unwirklich. Die Dinge erhalten ihr Dasein nicht durch die Umwelt, sondern sie erheben sich einzig im eigenen Geiste. Fest muss der Ochsenhirt das Leitseil packen und darf keinen Zweifel eindringen lassen. 


6. Heimritt auf dem Ochsen

Er reitet auf dem Ochsen heim
in heiterer Gelassenheit.
Den fernhinziehenden Abendnebel
begleitet weithin der Klang seiner Flöte.
Ein Klatschen, der Takt eines Liedes
ist von unumschränktem Sinn.
Wer diesen Sinn kennt,
braucht er denn noch Worte?

Der Kampf ist vorüber: "Gewinn" und "Verlust" haben sich in Leere aufgelöst. Der Hirte singt die ländliche Weise der Holzfäller und spielt auf der Flöte die einfachen Lieder der Dorfkinder. Er sitzt bequem auf dem Rücken des Ochsen und blickt heiter zu den Wolken droben auf. Ruft man ihn an, so sieht er sich nicht um; will man ihn festhalten, so bleibt er doch nicht hier.


7. Der Ochse ist vergessen, der Mensch bleibt.

Heimkehren konnte er nur auf dem Ochsen,
nun gibt es den Ochsen nicht mehr.
Allein sitzt der Hirte, heiter und ruhig.
Die rote Sonne steht schon hoch am Himmel,
doch er träumt friedlich weiter.
Unter dem Strohdach liegen nun
Peitsche und Leitseil nutzlos herum.

  Im Dharma gibt es keine Zweiheit. Der Ochse ist unser urinnerstes Wesen - das hat er nun erkannt. Eine Falle ist nicht mehr erforderlich, wenn der Hase gefangen ist, ein Netz nicht mehr vonnöten, wenn der Fisch geködert wurde. Es ist, als wäre Gold von der Schlacke befreit worden; als wäre der Mond zwischen den Wolken zum Vorschein gekommen. Ein Strahl von klarstem Glanz scheint immerdar vom Urbeginn an.


8. Ochse und Mensch sind vergessen

Peitsche und Leitseil, Ochs und Hirte
gehören gleichermaßen der Leere an.
Der blaue Himmel ist so allumfassend weit,
daß alles Mitteilen in ihm beinah endet.
Über loderndem Feuer kann keine Schneeflocke bestehen.
Ist diese Geistesverfassung erreicht,
begegnet er endlich
dem Geist der Patriarchen alter Zeit.

Aller Verblendung ist er ledig, und auch alle Vorstellungen von Heiligkeit sind verschwunden. Nicht länger mehr braucht er "In-Buddha" zu verweilen, und schnell geht er durch "Nicht-Buddha" hindurch weiter. Auch die tausend Augen können an ihm, der an keinem von beiden mehr haftet, nichts bemerken. Wollten Hunderte von Vögeln ihm nun Blumen streuen, er würde sich seiner selbst schämen.

9. Zum Ursprung zurückgekehrt

Er ist zum Ursprung zurückgekehrt,
doch waren seine Schritte umsonst.
Besser ist es für ihn, wie blind und taub zu sein.
In seiner Hütte sitzt er,
sieht von all dem da draußen nichts.
Die Ströme fließen, wie sie fließen,
und rote Blumen blühen von selber rot.

 

Von Urbeginn an gibt es keinerlei Staub (der die ursprüngliche Reinheit befleckte). Der Hirte beobachtet das Werden und Vergehen des Lebens in der Welt und weilt in gelassener Ruhe. All das (Werden und Vergehen) ist kein Wahn. Warum sollte es notwendig sein, um irgendetwas zu ringen. Grün sind die Gewässer, blau die Berge. In sich ruhend, betrachtet er den Wandel der Dinge. 

10.Betreten des Marktes mit offenen Händen

Mit entblößter Brust kommt er barfuß zum Markte.
Schmutzbedeckt und mit Asche beschmiert,
lacht er doch breit übers ganze Gesicht.
Ohne Zuflucht zu mystischen Kräften
bringt er verdorrte Bäume schnell zum Blühen.


Die Tür seiner Hütte ist verschlossen, und selbst der Weiseste kann ihn nicht ausfindig machen. Die Gefilde seines Innern sind tief verborgen. Er geht seinen Weg und folgt nicht den Schritten früherer Weiser. Er kommt mit der Kürbisflasche auf den Markt und kehrt mit seinem Stab in die Hütte zurück. Schankwirte und Fischhändler führt er auf den Weg, ein Buddha zu werden.

 

 

 

 

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